Wahlkampf und Social Media – 5 Grundregeln.

Social Media für Politikerinnen und Politiker

Wahlkampf und Social Media – 5 Grundregeln.

Am 23. Oktober 2011 stehen eidgenössische Wahlen an.

Nie zuvor war es so einfach, als Politiker, die Stimmen (wortwörtlich) einer Wählerschaft zu hören, zu analysieren und im Wahlkamp spezifisch auf Themen eingehen zu können. Die digitalen Medien (Social Media) machen es möglich. Der prominenteste Vorreiter der Social Media-for-Campaigning-Bewegung ist kein anderer als der aktuelle Präsident der USA.

Ist Barack Obama also ein Social Media-Präsident? Für Thomas Jefferson war es das Radio, für JFK das Fernsehen, für Obama waren es YouTube, Facebook Twitter und seine Brand Community-Plattform. Obama hat keine Email Adressenlisten kaufen müssen, seine Wählerschaft hat ihm die geschenkt, via Social Media.

Hier ein kurzer Vergleich über die Social Media Präsenz der beiden damaligen Präsidentschaftskandidaten:

Obama McCain
Facebook 2,379,102 620,359 Fans
MySpace 833,161 217,811 Freunde
YouTube 114,559 28,419 Abonnenten
YouTube 18,413,110 2,032,993 Besuche
Twitter 112,474 4,603 Followers
Stand 3 Nov 2008
Spenden 522 Mio 375 Mio
Stand 15 Okt 2008

 

Bemerkenswert dabei ist, dass die individuellen Spenden für Obama zu 58% aus Beträgen zwischen 1  und 999 Dollar bestanden und die von McCain zu 60% aus Spenden von über 1,000 Dollar. Obama hat 409 Mio individuelle Spenden erhalten, McCain 203 Mio.

Was können wir aus dieser Erfahrung lernen? Hier fünf Grundregeln für Politikerinnen und Politiker, die die Social Media für ihre Kampagnen in Anspruch nehmen wollen:

Wenn schon Social Media, dann richtig. Es reicht nicht, eine Fanseite auf Facebook zu haben, oder zwischendurch einmal ein bisschen im Twitterversum herum zu zwitschern. Social Media Best Practice verlangt nach einer Strategie, die Online und Offline integriert, verknüpft, vernetzt.

Unerlässlich sind dabei eine Fanseite auf Facebook (nicht ein persönliches Profil), ein Twitterkonto, ein YouTube-Kanal, ein Blog, eine SlideShare Seite und wenn wir schon dabei sind, ein LinkedIn und/oder Xing-Konto. All dies braucht viel Zeit und Geduld, vor allem Zeit … und mehr Zeit.

2. Konsequenz

Profile und Bios im gleichen Ton und auf einander abgestimmt. Gleiche Portrait Foto in allen Profilen: Deine Foto ist Dein Logo, Du bist eine Marke (Online Reputation Management). Deine diversen Konten sollten einfach zu finden sein mit konsequentem, persönlichem Branding versehen sein. Zum Beispiel: twitter.com/retoleder, foursquare.com/retoleder, linkd.in/retoleder, facebook.com/retoleder, slideshare.net/retoleder, youtube.com/retoleder, und so weiter und so fort.

Regelmässige Einträge (posts) auf allen Plattformen. Diese können häufig dieselben sein in den verschiedenen Medien. Wer diese auch noch geschickt verknüpft, kann mit kleinerem Zeitaufwand mehr Leute erreichen. Es geht darum, gehört zu werden. Wo mich die Leute hören, ist mir eigentlich egal, solange sie mich hören (und sehen).

3. Transparenz

Digitale Medien sind ein zweischneidiges Schwert. Ich kann sehr viel damit aufbauen, das braucht Zeit, aber auch viel damit zerstören, das geht sehr schnell, in erster Linie meine Glaubwürdigkeit.

Transparenz heisst auch, Kritik zu akzeptieren und darauf einzugehen. Eine defensive Haltung schadet in jedem Fall. Was ich verspreche, muss ich halten. Das sollte eigentlich immer gelten, ist aber, wie wir wissen, nicht immer so. Jetzt kommt aber eben der Social Media-Faktor dazu. Was ich verspreche und nicht halte, kann auf Twitter oder Facebook zu einem sehr schnellen und schmerzhaften Bumerang werden. Viel mehr, als dies in den traditionellen Medien der Fall ist. Also, sei Dir ganz sicher, dass das, was Du auf Facebook versprichtst, auch wirklich möglich ist.

4. Inhalt

Basierend auf den 4 Säulen der Social Media – Unterhaltung, Kommunikation, Zusammenarbeit, Bildung – muss relevanter Inhalt angeboten werden. Wer stur versucht, zu verkaufen, erreicht vermutlich gerade und nur das Gegenteil.

Social Media sind meine Chance, interessanten, intelligenten, unterhaltenden, hinterfragenden, offenen, relevanten, sachlich korrekten und bildenden Inhalt einer  riesigen Menge wissensdurstiger Menschen zugänglich zu machen. Das fördert die Zusammenarbeit. Das zeigt, das ich mehr über ein Thema weiss, als die üblichen Schlagwörter, die man auf Plakaten sieht. Das verkauft.

5. Follow Up

Faktor Zeit. Auch hier sehr wichtig. Kommunikation per Social Media ist rasend schnell, verbreitet sich wie ein Virus – daher der Name Virales Marketing – und verlangt nach ebenso schnellen Antworten auf Fragen. Antworten müssen als authentisch wahrgenommen werden – apropos Transparenz – und von Wissen über das Thema zeugen.

Schlussfolgerung

Für mich sind digitale Medien maximaler Ausdruck direkter Demokratie. Jeder hat eine Stimme, jeder kann seine Meinung frei von Zensur äussern, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Für Politikerinnen und Politiker heisst das Umdenken, eine andere, neue Kommunikationsrealität akzeptieren und mitmachen.

Was meinst Du dazu? Sind unsere Politiker in der Schweiz auf dem richtigen Weg mit ihrer Social Media Präsenz? Wen würdest Du als “Social Media Politikerin oder Politiker par excellence” bezeichnen?

Wünsche einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.

Reto Leder

 

Quellen: The New York Times, Web Strategy, FactCheck.org, The Campaign Finance Institute,

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